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25.03.2019

Atommüll im Hegau? Fachtagung zum Standortauswahlgesetz am 23.3.2019 in Singen

Bericht von KLAR e.V. zur gemeinsam mit ausgestrahlt e.V. Hamburg durchführten Fachtagung zum Standortauswahlgesetz am 23.3.2019 in Singen.
Helge Bauer von ausgestrahlt e.V. Hamburg stellte Eckpunkte des Standortauswahlgesetzes (StandAG) interessierten Umweltschützern aus der Region Bodensee/Hochrhein vor.
Deutschland ist nach Frankreich immer noch der zweitgrößte Atommüllproduzent Europas. Bis zum beschlossenen Abschaltdatum 2022 sind es ca. 17.000 Tonnen, hochradioaktiv. Der Müll ruht zum Abkühlen zuerst in Abklingbecken bei den Kraftwerken und dann schließlich in ca. 1.900 Castoren in verschiedenen Zwischenlagern, u.a. in Gorleben. Auf Jahrzehnte ein hochgefährlicher Zustand, da diese Lagerhallen weder gegen Flugzeugabstürze noch Terrorangriffe geschützt sind, denn allein ein Castor enthält ungefähr die Menge an Radioaktivität, die bei der Katastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde. Die Castoren haben eine garantierte Lebensdauer von nur 40 Jahren. Manche haben dieses Alter schon erreicht. Auch darin liege, so Helge Bauer, eine große Gefahr. Noch niemand, keine technische Anlage, habe bisher einen Castor geöffnet. Das könne nur mit Hilfe von Robotern in einer sog. Heißen Zelle unter hermetischer Abschirmung der Biosphäre geschehen.
Weltweit gibt es noch kein einziges „End“lager für die über Hunderttausende von Jahren hochradioaktiven abgebrannten Brennelemente.
Seit 2017 gibt es nun, vom Bundestag beschlossen, das Standortauswahlgesetz, kurz StandAG. Helge Bauer erläutert die verschiedenen neu geschaffenen Gremien und die drei Phasen , an deren Ende der endgültige Standort festgelegt werden soll. Er bemängelte die völlig unzureichende Bürgerbeteiligung und Mitsprache der Betroffenen sowie den viel zu knapp kalkulierten Zeitplan.
Allein die Erhebung verlässlicher und vergleichbarer geologischer Daten bei den geologischen Landesämtern erweise sich als außerordentlich schwierig, will man aus ganz Deutschland sieben mögliche Standorte bis 2020 auf faire Weise herausfiltern. Dass ein Standort auch der Hegau sein könne, ist allein durch das Opalinustonvorkommen im Untergrund begründet. Deshalb sei man hier.
Die Teilnehmer der Fachtagung waren sich einig, dass es nach gegenwärtigem Wissenstand, was die Technik der Einlagerung, die verschiedenen Wirtsgesteine, Opalinuston, Salzstock oder Granit und die Langzeitlagerung über Hunderttausende von Jahren anbetrifft, keine wirklich sichere Endlagerung geben wird. Das bestätigte auch Lüder Rosenhagen aus Bad Säckingen von www.Klargegenatom.de , der auch für die deutsche Seite in der Schweizer Regionalkonferenz Jura Ost und dort im Technischen Forum Sicherheit vertreten ist. Auch sein letzter Besuch im Felslabor Mont Terri, wo die verschiedenen Länder an der Lagerung von hochradioaktivem Atommüll gemeinsam forschen, über den er im einzelnen berichtete, habe ihn davon überzeugt.
Eine sichere „End“lagerung sei nicht in Sicht. Damit entfalle auch der rechtlich notwendige Entsorgungsnachweis, ohne den alle Akw auf der Welt sofort abgeschaltet werden müssten. Bis zu dieser Einsicht sei es aber noch ein langer Weg. Frau Anna-Maria Waibel vom Vorstand von
Klargegenatom bedankte sich mit einem Präsent bei Helge Bauer und Lüder Rosenhagen für die hervorragende Einweisung in das StandAG (mehr Infos auch unter www.ausgestrahlt.de) und die wichtigen fachlichen Ergänzungen.
Die Essenz: Es gibt erhebliche Unwägbarkeiten bei der Suche nach einem sicheren Endlager für Atommüll ! mehr Öffentlichkeit ist erforderlich!
Teilnehmende von KLAR E.V., Ausgestrahlt e.V. Hamburg, BUND Waldshut, Pfullendorf, Konstanz, IPPNW Ärzte gegen Atomkrieg und Interessierte Gäste.



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